_ /// Hörgeschichten


Erschienen in "Hörgeschichten – Europäischer Musikmonat 2001"
November 2001, Opinio Verlag Basel



Neue Musik ganz schön vielseitig
von Martin Schüssler

«RaumNetze NetzRäume»
Interaktives Kompositions- und Improvisationswerk für Baritonsaxophon, Live-Elektronik und Video (2001)

Musik ist nicht gleich Musik: Dasselbe Werk erklingt nicht zweimal gleich, schon gar nicht, wenn es an unterschiedlichen Orten aufgeführt wird. Musik kann nicht isoliert, sozusagen asepetisch aufgeführt werden, Musik steht immer auch in einem Dialog mit der Umwelt. Komplexe Beziehungsgeflechte können da zwischen Umgebung und Musikaufführung entstehen: Raumnetze eben.
Mit seinem Werk «mâts» für Baritonsaxophon und Live-Elektronik wollte Berger «eine räumliche Disposition schaffen, die ein durchlässiges Netz entstehen lässt zwischen physikalischem, musikalischem und elektronischem Raum, zwischen Komposition und Improvisation». Ein durchlässiges Netz zwar aber ein feingesponnenes weitgespanntes: Aus dem Zusammenspiel von Live-Elektronik, Saxophon und Umweltgeräuschen entstanden faszinierende musikalische Netzverbindungen an ganz ungewöhnlichen Aufführungsorten – an der alten Stadtbefestigung Basels, auf der Turmplattform der Brauerei Warteck, im Innenhof des Zentralstellwerks des Bahnhofs Basel SBB, auf dem Getreidesilo im Rheinhafen, in der Serra-Plastik auf dem Theaterplatz Basel, im Kreuzgang der Münsterkirche, auf der Staumauer des Kraftwerks Birsfelden. Von vornherein waren diese Klangnetze nicht darauf angelegt, besonders viel Publikum vor Ort einzufangen. Aber dafür wurde gleich noch ein anderes Netz geknüpft: Im World Wide Web gab es kurze Videos von Karin Leuenberger von den unterschiedlichen Klangorten zu sehen. Da konnte sich, wer wollte, in dieses Netz einbinden und sich von Gary Bergers Musik umgarnen lassen...