GARY BERGER 2024. 艾爾·里希特·福爾貝哈爾滕

MAXXX!3007


„Warum schmeckt der Mensch so lecker?”
Max und Moritz ReVamped

“MAXXX! 3007” wird eine zeitgenössische installative Operettenperformance, die von den Lausbuben Max und Moritz und deren bösen Streichen, sowie der Umkehrung des Täter-Opfer- Verhältnisses und den damit einhergehenden moralischen Fragen, erzählt. Das unterhaltsame Genre Operette beinhaltet sowohl Musik als auch Sprache, Bühnenperformance und Live- Musik. Zusätzlich erweitern wir unsere installative, aus dem Musiktheater-Genre ausbrechenden Fassung durch elektroakustische und audiovisuelle Elemente. Ein zentrales Element ist die akustische Raumgestaltung durch ein Lautsprecherorchester, das nicht auf den Bühnenraum beschränkt ist, sondern auch den Publikumsraum miteinbezieht.

Das Kernteam in der künstlerischen Gestaltung bilden das Komponist:innenduo Olivia Artner und Gary Berger gemeinsam mit dem Autor Martin Bachler. Die kreative Arbeit im Kollektiv ist eines unserer Grundsätze im Versuch, eine Gesellschaft des Zusammenhaltes und der gemeinsamen Ziele mitzuprägen.

Neben Max und Moritz, verkörpert von zwei Mezzosopranistinnen, treten als weitere Figuren die Opfer der Streiche in Erscheinung, dies aber nicht nur live: Projektionen auf ungewöhnliche Oberflächen und die elektroakustisch experimentell in den Raum gespielte stimmliche Präsenz der Opfer spielen mit den verschiedenen zeitlichen Ebenen der Erzählung. Dieser intermediale Aspekt der Operette ist ein zentraler Punkt: die Trennung der Taten von Max und Moritz von ihren tatsächlichen Auswirkungen ist im Originalwerk Buschs ein Kernelement. Die Lausbuben begehen ihre Tat und laufen dann weg – die Auswirkungen und das Leid bekommen sie oft nicht zu spüren, und wenn, dann halten sie eine entmenschlichte Distanz zur Emotionalität der Opfer. Diese grausame Entfremdung wird in der Operette auf die Trennung von Bühnenraum und Video/Elektroakustik übertragen: während der Bühnenraum sich auf die Vorbereitungen von Max und Moritz fokussiert, spielen sich viele Szenen der Opfer häufig im Video ab oder werden in den Zuschauerraum transportiert. Eine Stimme, vermittelt von einer automatisierten Tonbandmaschine, führt aus relativ neutraler Perspektive durch die Geschehnisse. Hörspielartige Einwürfe kommentieren auf reflexiver Ebene die Hintergründe der Persönlichkeiten und ihre Bedeutung für eine Gemeinschaft. Sie werden szenisch in das Bild eingebunden: ein altes Radio aus den 60er-Jahren dient als Brücke in die auf der Bühne gespielte Realität. Außerdem werden die Rollen von Max und Moritz in die Jetztzeit katapultiert: ist nicht auch der Investmentpunk ein Max und der Kryptoguru ein Moritz? Mit medialen Einspielungen lassen wir das Dorf zur Blase werden.

Die Erzählung von Max und Moritz greift tief in die moralischen Wertvorstellungen einer Gesellschaft ein. GRUPPE:7 untersucht mit ihrer Adaptierung ihrer radikalen Gewaltfantasien klein-(und auch groß-)terroristische Tendenzen in uns allen – auf humorvolle und subversive Weise.

Nicht zu vergessen ist außerdem die perfide Namensgabe der im 2. Weltkrieg von Wernher von Braun entwickelten „Aggregat 2“-Versuchsrakete. Die 1934 zwei in Borchum gestarteten Exemplare wurden Max und Moritz getauft – passt das nur zufällig zur Busch-Geschichte und zu unserem Zeitgeist?

Der weibliche und queere Cast der Operette spielt mit Rollenvorstellungen, indem er sie knallhart mit der Vielschichtigkeit und den Abgründen der aus ihr entstandenen Persönlichkeiten konfrontiert. Die Schichtung von gegensätzlichen Persönlichkeitsmerkmalen lässt eine Utopie-Dystopie entstehen, in der Geschlecht und sexuelle Orientierung nicht im Vordergrund stehen, sondern perverse Rachegelüste oder scheinbar ursprungslose Bösartigkeit von einer in die nächste Szene leiten.

Was mit einer Gesellschaft geschieht, die am Ende selbst zum Täter wird? Ob der Schluss der Erzählung eigentlich der aussagekräftigste Teil der Geschichte ist? Diesen Fragen widmen wir uns in Text und Inszenierung.


Spieltermine:

27.09.2024 FleetStreet Theater Hamburg
28.09.2024 FleetStreet Theater Hamburg

05.10.2024 Kerzenfabrik Salzburg – Festival Klangtherapie
16.05.2025 Theater im Viertel Saarbrücken
17.05.2025 Theater im Viertel Saarbrücken
18.05.2025 Theater im Viertel Saarbrücken

Die GRUPPE:7 ist ein internationales und in Berlin beheimatetes Kollektiv, bestehend aus Künstler:innen der Bereiche Musik, Darstellende Kunst, Oper, Komposition, Sound Design, Konzeption und Regie. Mit ihrem Initialprojekt “LEHRER LÄMPEL”, einer ca. 15-minütigen Kurz-Operette, standen die ersten Mitglieder des Kollektivs bereits im Rahmen des Quattropole Musikpreis 2023 auf der Bühne des Saarländischen Rundfunks. Im Herbst 2024 ist das Kollektiv mit dem Stück “MAXXX! 3007” im Rahmen einer Artist Residency am Fleetstreet Theater Hamburg zu Gast.

Die GRUPPE:7 legt Wert auf performative und gleichzeitig interdisziplinäre Kunst, die klassenlos ist und ein diverses Publikum anspricht. Inklusiv und mit Fokus auf weibliche Charaktere, welche bewusst aus bekannten und klischeehaften Geschlechterrollen ausgehebelt werden, wird der Dialog über gesellschaftsrelevante Themen durch satirisch- musikalischen Umgang gesucht. Dabei ist die Wiener Operette musikalisch und formgebend genauso relevant wie Improvisation, Neue Musik und live-Elektronik.

Die GRUPPE:7 versteht sich selbst als unterhaltsam und provokant, will die Grenzen des Genres Operette erkunden und seine Traditionen infrage stellen; so wird das Publikum mit ästhetisch kraftvollen und unkonventionellen Kombinationen aus Klängen, Texten und performativen Elementen gleichermaßen zum Lachen gebracht und zum Nachdenken angeregt.


MITWIRKENDE

Olivia Artner ist Komponistin, Mandolinistin und Performerin. Sie schloss ihr Studium der Musik – Instrumental und Komposition – sowie der Musikwissenschaft ab und konzentriert sich seither auf die Entwicklung kreativer und experimenteller Konzepte für Musiktheater. Zu ihren jüngsten interdisziplinären Projekten gehört das experimentelle Musikvideo “Wassermusik” (2022), das beim Stuttgarter Filmwinter mit dem Wand-5-Ehrenpreis ausgezeichnet wurde. 2023 wurde sie mit ihrer Mini-Operette “LEHRER LÄMPEL” für den Quattropole Musikpreis nominiert.

Martin Bachler, geboren 1992 in Kitzbühel, begann seine ersten schriftstellerischen Versuche 2007 in Form von Gedichten und Tagebüchern. Er studierte Vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität Wien; seit 2011 schreibt er Prosastücke, Gedichte, Kurzgeschichten und Romane und realisiert in Form von Blogprojekten polemisch- journalistische Experimente. 2016 veröffentlichte Bachler zusammen mit dem Produzenten „Tender Boy“ eine HipHop-EP unter dem Pseudonym „Beast Poet“. Bachler liest in Wien regelmäßig aus seinem Roman „Wiener Plateau“, u.a. im Perinetkeller und im Café Anno. Zu seinen Veröffentlichungen zählen „Hier könnte dein Titel stehen“, in der Anthologie Zehn Jahre Farce Vivendi sowie „Das Raunen der Albe“ im Feuilletonmagazin schreibkraft.

Nach einem Schlagzeugstudium in Zürich und einer Ausbildung in Elektroakustischer Musik spezialisierte sich Gary Berger auf die Interpretation und Klangregie live-elektronischer Werke in zeitgenössische Musik. Er studierte Komposition bei Iannis Xenakis und Julio Estrada am CEMAMU Paris, am IRCAM Paris sowie an der Musikhochschule in Zürich. Seine Werke wurden international aufgeführt, so z.B. beim Lucerne Festival, Wien Modern, ISMC World New Music Days, MATRIX-Festival des SWR u.v.m. www.garyberger.ch

Die Violinistin Nina Juanico studierte am Conservatori del Liceu in Barcelona, an der Hochschule für Musik Saar und an der Codarts University of the Arts in Rotterdam. Orchestererfahrung sammelte sie beim Symphonieorchester der Balearen und einem Praktikum beim Loh-Orchester Sondershausen, derzeit ist sie Mitglied im Orchester des Staatstheaters Braunschweig. Regelmäßig konzertiert sie mit dem Pianisten Eduard Lopez als Duo Favàritx.

Die Berliner Mezzosopranistin Natalie Jurk ist auf Europas Bühnen im Lied-, Oratorien- und Opernrepertoire aktiv. Sie debütierte 2023 bei den Opernfestspielen an der Bayrischen Staatsoper, an der Deutschen Oper Berlin und am Saarländischen Staatstheater. Bei Wettbewerben wie Schubert und die Musik der Moderne oder Paula-Salomon-Lindberg Das Lied war sie Preisträgerin und sang u. a. bei den Festivals Internationaal Lied Festival Zeist und Sommerliche Musiktage in Hitzacker. Derzeit ist sie regelmäßig auf der Bühne des Theater am Goetheplatz Bremen zu erleben. www.nataliejurk.de

Die Wiener Mezzosopranistin Diana Kantner begann ihre musikalische Laufbahn im Alter von acht Jahren an der Wiener Staatsoper. 2022 schloss Diana ihr Gesangsstudium in Amsterdam mit Auszeichnung ab, ihr Abschlussprojekt “TROUBLED WOMEN” wurde für den AHK Graduation Award nominiert. Sie ist international bei Konzerten und interdisziplinären Projekten zu erleben, so z.B. bei der Cello Biënnale im Muziekgebouw aan’t IJ mit dem Stück “Mrs. D.’ Ninth Child”, als Young Artist beim Internationalen Lied Festival Zeist, am Saarländischen Staatstheater und am Saarländischen Rundfunk mit “LEHRER LÄMPEL” beim Quattropole Musikpreis 2023. www.dianakantner.de

Der deutsch-niederländische Bariton Elia Merguet studierte an den Musikhochschulen Saarbrücken und Hannover Gesang und Musikpädagogik. Elia wurde u. a. durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert. Er ist im Kulturmanagement tätig und beschäftigt sich nicht nur in seiner künstlerischen Praxis mit Themen wie Queerness, Männlichkeiten und Machtstrukturen. Fest in der Berliner Kunst- und Kulturszene verankert begeistert sich Elia für Operette und Chanson ebenso wie für elektronische Musik, Salsa und Synthie-Pop.

Neben seiner andauernden Tätigkeit an der Oper Köln und bei den Bayreuther Festspielen ist Dominik Vogelgesang als freischaffender Licht- und Mediendesigner tätig. Zu seinen Produktionen gehören die Kammeroper „Lucretia“ in der Inszenierung von Thomas Max Meyer an der HfM Saar, die Uraufführung der Kammeroper „Undzer shtetl brent“ unter der Regie von Christian von Götz und die Mono-Oper „Anne Frank“ in der Inszenierung von Bruno Berger- Gorski. Als Media-Designer gestaltete er u.a. das mediale Bühnenbild für das Bundesfestival junger Film 2018 in St. Ingbert und Mediendesign für die Produktion „Hamlets Kinder“ am Staatstheater Saarbrücken.

Die Mezzosopranistin Janka Watermann begann ihr Gesangsstudium an der HfM Saar und setzt es derzeit an der HfM Hanns Eisler Berlin fort. Zuvor studierte sie Sprechkunst und Sprecherziehung an der HMDK Stuttgart. Sie ist in verschiedenen Konzertformaten zu sehen, z.B. in der Konzertreihe „Reisende soll man nicht aufhalten“ bei der Stuttgarter Festwoche Barock, in Paul Hindemiths musikalischem Funkspiel „Sabinchen“ mit dem RSB Orchester Berlin, sowie in „LEHRER LÄMPEL“ beim Quattropole Musikpreis. An der Hanns Eisler sang sie die Rolle des Orphée in Belioz’s gleichnamiger Oper und wird 2024 als Hänsel in Humperdincks‘ “Hänsel und Gretel” zu erleben sein.


Kontakt: sekretariat@gruppesieben.org

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